Die Debatte um die Zukunft der deutschen Rente wird immer hitziger. Unter der Führung von Bundeskanzler Merz plant die Koalition aus CDU/CSU und SPD einen grundlegenden Umbau des Rentensystems, der Millionen Arbeitnehmer direkt betrifft. Versprochen werden stabile Rentenleistungen und für bestimmte Gruppen sogar bis zu 18 Prozent mehr Rente. Doch welche Chancen und Risiken stecken hinter diesen Ankündigungen? In diesem Beitrag klären wir die wichtigsten Punkte und zeigen, was Arbeitnehmer erwarten können.
Die Kernpunkte des Merz-Rentenplans: Stabilität und Zuwächse
Im Mittelpunkt des Plans steht die Sicherung des Rentenniveaus auf 48 Prozent des Durchschnittslohns bis 2031. Ein Kabinettsbeschluss vom 6. August 2025 legt den Grundstein dafür. Sozialministerin Bärbel Bas hat den Gesetzentwurf eingebracht, der nun vom Bundestag debattiert wird.
Die Finanzierung erfolgt aus dem Bundeshaushalt mit erheblichen Milliardenbeträgen. Kritiker sehen hier ein Risiko angesichts der knappen Kassen. Dennoch soll diese Maßnahme Arbeitnehmern Planungssicherheit bieten und Altersarmut vorbeugen.
Der Rentenbeitrag steigt leicht
Ab 2027 plant man eine Erhöhung des Rentenbeitrags von 18,6 auf 18,8 Prozent. Das bedeutet für viele Lohnabhängige etwas höhere Abzüge vom Gehalt. Im Gegenzug gewinnen sie jedoch eine verlässlichere Rentenperspektive langfristig.
Arbeitnehmer sollten ihre Lohnabrechnungen im Blick behalten. Die Anpassung ist moderat, könnte aber kumulativ spürbar werden, besonders bei steigenden Löhnen.
Ein Meilenstein: Bis zu 18 Prozent mehr Rente für Mütter
Das Highlight des Plans ist das Rentenplus von bis zu 18 Prozent für Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden. Bisher erhielten diese Frauen weniger Rentenpunkte für Erziehungszeiten im Vergleich zu jüngeren Generationen.
Die Reform gleicht diese Ungleichheit aus und verbessert die Rentenansprüche erheblich. Betroffene können von einer spürbaren Steigerung ihrer monatlichen Rente profitieren – ein echter Gewinn für viele Familien.
- Voraussetzung: Kinder vor 1992 geboren.
- Effekt: Mehr Rentenpunkte für Erziehungszeiten.
- Vorteil: Bis zu 18% höhere Rente ohne zusätzliche Beiträge.
Koalitionskonflikte bremsen den Reformprozess
Trotz einhelliger Ziele stoßen die Pläne auf Widerstände innerhalb der Koalition. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche schlug eine Verlängerung der Arbeitszeit bis Rente mit 70 vor. Sozialministerin Bas lehnte das kategorisch ab.
Für viele Arbeitnehmer wäre eine Rente mit 70 gleichbedeutend mit einer Kürzung, da gesundheitliche Belastungen ein längeres Berufsleben erschweren. Die SPD betont soziale Gerechtigkeit und schützt vulnerable Gruppen.
Bas’ Vorschlag, die gesetzliche Rente zu einer Erwerbstätigenversicherung auszubauen, stößt bei der Union auf Ablehnung. Selbstständige und Beamte sollten einbezogen werden, um Lücken zu schließen. „Nicht alle zahlen ein“, argumentiert Bas gegen Altersarmut bei Freiberuflern.
Beamte und Selbstständige: Ein heikler Reformbaustein
Die Einbindung von Beamten und Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung ist umstritten. Eine Rentenkommission prüft Optionen ab 2026. Experte Matthias Wolf von der TH Köln sieht Potenzial, warnt aber vor kurzfristigen Belastungen.
Neue Einzahler bringen Einnahmen, fordern später höhere Leistungen. Die „Doppelte Haltelinie“ – Beitragssatz unter 20 Prozent, Niveau über 48 Prozent – muss gewahrt bleiben. Das erfordert kluge Übergangsregelungen.
- Pro: Mehr Beitragszahler stabilisieren das System.
- Contra: Höhere Ansprüche in der Zukunft drücken auf Finanzen.
- Ausblick: Kommission liefert 2026 erste Ergebnisse.
Langfristig könnte dies die Demografieherausforderungen mildern, indem mehr Menschen einbezogen werden.
Private Altersvorsorge im Wandel: Abschied von der Riester-Garantie
Der Reformplan umfasst auch die private Altersvorsorge. Die 100-Prozent-Beitragsgarantie bei Riester-Produkten fällt ab einem Gesetzentwurf von Dezember 2024.
Stattdessen kommen renditeorientierte Produkte wie ETFs und Fonds. Zulagen werden vereinfacht und teilweise erhöht, um Attraktivität zu steigern. Arbeitnehmer gewinnen Flexibilität bei der Vorsorge.
Diese Änderungen machen die Altersvorsorge marktorientierter. Risikobereite Investoren profitieren potenziell stärker, während Konservative auf neue Garantien achten müssen.
CDU-Parteitag: Beschlossene Maßnahmen und offene Fragen
Auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart Ende Februar 2026 scheiterte ein Antrag der Jungen Union. Dieser wollte Elterngeld als rentenstützendes Mittel ausbauen, um die Geburtenrate zu heben und Beitragszahler zu mehren.
Stattdessen wurde die Spitzensteuerschwelle von 70.000 auf 80.000 Euro angehoben. Das entlastet mittlere und höhere Einkommen indirekt für private Vorsorge. DIW-Experte Stefan Bach rechnet mit Einsparungen bis 900 Euro jährlich für Singles bei 98.000 Euro Einkommen.
Geringverdiener profitieren weniger. Die Rentenkommission bearbeitet nun strukturelle Fragen: Wer zahlt wie viel? Wie lange arbeiten? Demografiefestigkeit ist entscheidend.
Fazit: Chancen nutzen, aber wachsam bleiben
Der Merz-Rentenplan bietet Arbeitnehmern echte Perspektiven: Stabiles Rentenniveau, Zuwächse für Mütter und modernisierte Vorsorge. Dennoch bremsen Koalitionsstreit und Finanzierungsfragen den Fortschritt.
Betroffene sollten ihre Renteninformationen prüfen und ergänzend privat vorsorgen. Die Reformen brauchen Zeit – bis 2031 und darüber hinaus. Bleiben Sie informiert, um von den Änderungen optimal zu profitieren. Die Zukunft der Rente liegt in verantwortungsvoller Planung.